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 GLOSSE
 KRITIK


Unsere “Glosse” soll weiter wachsen!

Alle Texte in dieser Rubrik sind als Glosse zu betrachten und zu verstehen.


DO/OV v. 13.11.2019 Bernhard Konrad:  Guten Morgen:
     Das wär's gewesen - der Lörracher (Wieder)-Einstieg in die Tram!



KINDER und NARREN SAGEN DIE WAHRHEIT!   Schnitzelbängg in Lörrach 2017, Auszug zu Verkehrs Themen:
Die Soggeflicker 1975: Sujet: Alleingang der Abt. Strassenverkehr: Strassenmalerei für Radfahrer
Mit därre Schuelbildig war mi Beruefswahl streng limitiert,
doch als Lörracher Verkehrslenker binn ich trotzdem prädestiniert,
Pinsel, Velostreife uff dä Stroß, zwar sinnfrei aber dafür ganz flissig,
pass Gschwindigkeiten minem IQ ah, un dä isch halt nur drissig.

Chruttschlämpe Clique Hauingen Buurefasnacht: Sujet: Bauzaun seit 2 Jahren, trotz Gehwegfertigstellung.
In de Belchestroß stockt scho lang
de Flaniermeilebau de Bahn entlang,
Gosch dört entlang, dann isches fascht
wie ä Spaziergang im Lörracher Knascht!

Schloß Düüfel Clique Sujet: Stau an den Bahnschranken
Faahre, Warte, Faahre, Brämse, warte, Vollschtop Stau
Faahre, Brämse, warte, Brämse, s‘intressiert kei Sau
Als Autofahrer merksch es erscht wies aim als Stau-Sau goot,
De bisch wie dütschi Bundesbahn halt immer widr zśchboot.


Des Problem gits nit nur in Grenzach: "Die Oberbadische" vom 18.2.2017, Blick vom Hörnle: Redakteur Tim Nagengast
Chrampf im Handglenk
50305070503050. Chenne Sie selli Zahl, gschätzti Leserinne un Leser? Nei, ’s isch nit mi Dellifonnummere!!!! De Strichcode vo unsere Zyttig, meine Sie? Au nit! De Kontostand vo de Gmei Chrenzech-Wyhle? Jo, vo wege! Im Läbe nit! Also, loset,
i fang no’n emol langsam a: 50 30 50 70 50 30 50! Un jetz alli zämme: Fuffzig, drissig, fuffzig, siebzig, fuffzig, drissig, fuffzig.
Sehr guet! Un jetz decke Sie emol mit einere Hand d’Zyttig ab, und versueche Sie’s ällai uswendig. Goht nit? Hehe, ha’n i mr denggt, gälle Sie. Drbie isch selli Nummerekolonne sit em Mittwuch doch Alldag, wemm’r mim Auto vom Hörnli us dur’s Dorf dure uf Wyhle hintere un dört dure fahrt.
Ab em Hörnli gildet (an d’Baustell am Bahnübergang dengge mr jetz emol nit) Tempo 50, im Dorf dinne 30, drno wider 50, zwüsche Chrenzech un Wyhle churz emol Tempo 70, drno wider 50, im Zentrum vo Wyhle 30 un hinterem Rothus chunnt drno wider 50. Un wege dem sotte Sie sich das merke, gälle Sie. Ällai scho wege dem, dass mr nit alli zäh Meter uf dr Schilderwald luege mueß, wo sie do an dr Bundesstrooß ufbaut hen. Also isch’s besser, Sie lehre’s uswendig. 50 30 50 70 50 30 50!
I ha am Mittwuch agfange. Bi e bar Mol vo hinte füre un vo vorn no’ hinte gfahre. Vom Hörnli bis an Ruine-Kreisel z’Wyhle äne, vo dört us wider füre ans Hörnli und vo dört us wider hintere uf Wyhle. Ergebnis: e Chrampf im Handglenk vo dere Schalterei. Wil:
Wenn i im dritte Gang will 30 fahre, no fangt dr Chare a mit Ruckle.
Also mueß i abeschalte in zwoite Gang. Un in sellem cha’n i nit bliebe, wenn dr Fuffzger-Abschnitt chunnt, wil dört fangt dr Motor a mit Ufhüle un briehlt wie ab, wenn i nit gli in dritte Gang uffeschalte due. Aber sell goht jo nit, wil uf dene ganze Schildere jo „Lärmschutz“ stoht. Un wege dem wemm’r jo alli nit numme langsam, sondern au lieslig fahre. Un jetz probiere Sie dr Zahlesalat grad nonemol uswendig!!! Kei Schongs! ’S isch e Chrampf, gälle Sie.


Eine Sitzung des Ortschaftsrates. Eine Gruppe von unzufriedenen Bürgerinnen und Bürgern beschwert sich über ein Bauvorhaben, das ihrer Meinung nach mit enormen Planungsfehlern behaftet ist,
die unbedingt rechtzeitig korrigiert werden müssen. Der Ortsvorsteher unterbricht zunächst ungeduldig dann barsch immer wieder ihre Ausführungen und zuletzt gibt er ihnen gar keine Möglichkeit, sich zu äußern. Eine Bürgerin meint daraufhin, dass sie einen Leserbrief schreiben in dem sie über das fehlerhafte Bauvorhaben und die unmögliche Behandlung in der Sitzung berichten werde. Der alte Ortsvorsteher sitzt seit Jahrzehnten in verschiedenen Gremien und lässt sich nicht so leicht in die Schranken weisen. In vollem Bewusstsein seiner Macht und mit einer Handbewegung, die die Nichtigkeit dieser Angelegenheit bekräftigen sollte, knurrt er der Bürgerin ins Gesicht und plaudert damit ungewollt aus dem Nähkästchen ”Leserbriefe und überhaupt die Meinung der Bürger machen auf uns schon lange keinen Eindruck mehr.” Wo er Recht hat, da hat er Recht.


Es herrscht Unzufriedenheit
über steigenden Verkehr in wenigen Straßen, während gleichzeitig immer mehr Straßen zunehmend verkehrsentlastet werden. Die Betroffenen beschweren sich. Im Rathaus hört man sich das an und meint: „Die Anwohner müssen die Verkehrsbelastung in ihren Straßen hinnehmen und aushalten.“ Hmm… Warum eigentlich, wenn in anderen Straßen schon zwei fremde Autos als unzumutbar gelten?

An der Kreuzung Wiesental- / Tumringen Straße
steht ein Schild „Zu den Krankenhäusern“ und weist den Weg in die Innenstadt. Das Kreis- und das Elisabethenkrankenhaus liegen zwar in der Stadt aber nicht unmittelbar nebeneinander. Sie würden auf getrennten Wegen an dieser Stelle auf kürzeren, direkten Wegen besser erreichbar werden. Die Frage danach beschert einem sofortige Antwort: „Die beiden Krankenhäuser kooperieren miteinander, deshalb.“ Ob damit ein gemeinsamer Anfahrtsweg gemeint war? Frage an ein Mitglied des Gemeinderates: „Würden Sie unsere Liste gegen die Verkehrskonzentration im Quartier und vor dem Bonifatiuskindergarten unterschreiben?„Nein“ „Warum nicht?“ „Ich verstehe nichts vom Verkehr.“Sie sind aber ein Mitglied des AUT, der dafür zuständig ist! Wie stimmen Sie dann ab, wenn Sie nichts davon verstehen?“Man sagt mir, wie ich abstimmen soll.

„Ich besitze seit Jahren gar kein Auto!“
wirft eine Stadträtin herausfordernd in die Runde. Wie macht sie das nur? Man ist tief beeindruckt und fühlt sich schuldig, selbst Auto zu fahren, vor allem zu Zeiten, wenn die öffentlichen Verkehrsmittel in großen Zeitabständen oder gar nicht mehr fahren. Etwas später verabschiedet man sich voneinander. „Sind Sie vielleicht mit dem Auto da?“ fragt die Stadträtin eine Bekannte. „Ja“ antwortet die Bekannte zögernd und mit schlechtem Gewissen. „Schön! Dann können Sie mich mitnehmen!

Die Wiedereinführung der Straßenbahn in Lörrach ist zu teuer!“ kommt es, wie aus einer Pistole geschossen, auch wenn man die notwendige Vielfalt der öffentlichen Verkehrsmittel nur beiläufig erwähnt. Die Gleise der Straßenbahn, die gewinnbringend funktioniert hat und deshalb hätte ausgebaut werden müssen, wurden für viel Geld entfernt, für nichts und nichts, ohne dass man einen Gegenwert dafür bekommen hätte. Die Wiedereinführung der Straßenbahn soll wiederum zu teuer sein, obwohl man einen ausbaufähigen Gegenwert erhalten und die Finanzierung über verschiedene Töpfe erfolgen und zum großen Teil von der Schweiz übernommen werden würde.

Die Politiker in Lörrach sind in der Mehrheit strikt gegen die Wiedereinführung der Straßenbahn, weil sie eine zu starke Konkurrenz zur S-Bahn darstellt. Mit anderen Worten: Man geht davon aus, dass die Straßenbahn eine große Akzeptanz in der Bevölkerung haben und dadurch ein großer Erfolg werden würde, der mit geballter, politischer Kraft um jeden Preis verhindert werden muss.

Eine Frau beschwert sich im Rathaus über den überbordenden Verkehr in ihrer Straße,
der sie nicht mal schlafen lässt. Eine lapidare Antwort des Verantwortlichen: „Man zieht nicht in eine viel befahrene Straße.“ Es gibt aber noch eine andere, bessere Möglichkeit, die anscheinend immer noch nicht bemerkt wurde: Eine gute Verkehrsleitung und möglichst große Vielfalt der öffentlichen Verkehrsmittel, die sich gegenseitig ergänzen!

Ein männliches Mitglied des Gemeinderates behauptet steif und fest,
die ganze Verkehrsleitung in Lörrach im Kopf zu haben! Beeindruckend und verwegen, wenn man bedenkt, was so im Laufe der Zeit diesbezüglich beschlossen und umgesetzt wurde! Im weiteren Verlauf des Gespräches kommt man auf die Spitalstraße und welcher ihrer vielen Abschnitte, in welche Richtung befahren werden darf. Man ist sich nicht einig. Das Gespräch entzündet sich, droht zu explodieren, bis man das Thema diplomatisch ausklammert. Etwas später berichtet er über persönliche, überraschend neue Erkenntnisse aus der Spitalstraße, die er nach dem Gespräch mit dem Fahrrad abgefahren hat. Respekt… Nun ist es klar, warum manche Themen ausgeklammert werden und es leider auch bleiben, bis sie unbemerkt ein geheimnisvolles Eigenleben entwickelt haben. So, wie die Verkehrsleitung in Lörrach.

Ein Anwohner leidet schwer unter dem ständig zunehmenden Verkehrslärm 
in seiner Straße. Er wendet sich rat- und hilfesuchend an verschiedene Mitglieder des Gemeinderates. Zu seinem Erstaunen fällt die Antwort immer gleich aus: „Ich kann Ihnen nicht helfen. Man würde sonst sagen, dass ich mich von Ihnen instrumentalisieren lasse.“ Hm…??? Was für eine Aufgabe hat eigentlich der Gemeinderat? Soll er nicht den BürgernInnen zuhören, sich des Problems annehmen und es an die Verwaltung weiter tragen?
Derselbe Anwohner  bohrt weiter: Ist die Konzentration des Verkehrs in wenigen Straßen rechtens, wenn der Schutz der AnwohnerInnen von Anfang an nicht gewährleistet werden kann? Die Gemeinderatsmitglieder wehren seine Einwände entschieden ab: „Alles hat seine Richtigkeit! Die Entscheidungen wurden unter Einhaltung der demokratischen Spielregeln getroffen!“ Sind demokratisch getroffene Entscheidungen unfehlbar und daher unkorrigierbar?

Die BürgerInnen interessieren sich zu wenig für die Politik
.  Sie kommen nicht mal in die Gemeinderatssitzungen, dabei werden sie von der Verwaltung stets so überaus herzlich eingeladen. Eine Bürgerin verirrt sich eines Tages in eine Sitzung und will spontan eine Frage stellen. Auf dem Zettel mit der Tagesordnung steht nach jedem Punkt „Fragen der Bürger“. Nun klärt man sie auf, dass sie erst dann eine Frage stellen dürfe, wenn sie sie zuvor schriftlich eingereicht habe. Die Antwort: „Ich kann eine Frage erst dann stellen, wenn ich die Diskussion gehört habe. Fragen entstehen nämlich oft spontan beim Zuhören.“ Man zeigte kein Verständnis für die Erklärung der Bürgerin. In Lörrach dürfen anscheinend nur die BürgerInnen in den Gemeinderatssitzungen Fragen stellen, die über hellseherische Fähigkeiten verfügen Warum müssen überhaupt Fragen in Lörrach schriftlich eingereicht werden, wenn angeblich keine oder sehr wenige BürgerInnen in die Gemeinderatssitzungen kommen? Wäre es nicht sinnvoller, wenn die Verwaltung auf die schriftlichen Fragen verzichten und so verfahren würde, wie es in Lörrach in der zettellosen Zeit üblich war? Die Zettel kosten nur Geld, Arbeit, Zeit, Tinte und Bäume. Sie müssen bestellt, ausgepackt, ausgelegt, nachgelegt, ausgefüllt, eingereicht, gelesen, abgeräumt, abgelegt, gelagert, überwacht, bezahlt und am Ende weggeworfen werden, was zu einer klimaneutralen Stadt gar nicht so richtig passt. Nein, die Zettel seien sinnvoll, weil die Verwaltung den BürgernInnen eine schnelle Antwort geben könne, ohne dass sie zum wiederholten Male in die Gemeinderatssitzung kommen müssten. Hm… Ein wiederholter Besuch des Rathauses könnte die BürgerInnen auf den Geschmack bringen, öfter in die Gemeinderatssitzungen zu kommen? Solchen Gefahren muss in der Tat rechtzeitig und wirksam vorgebeugt werden.

Eine ältere Dame will in einer Gemeinderatssitzung eine Frage stellen,
hebt immer wieder die Hand und wird stets übersehen. Eine deutliche Stimme aus den Zuhörerreihen weist darauf hin. Man gibt sich überrascht… Ein Stadtrat klopft sich lachend auf die Schenkel und ruft bestens gelaunt der älteren Dame zu: „Zu spät, zu spät, zu spät!!!” In der Tat: Man wollte…, man war gerade im Begriff…, man versuchte sich gerade gemeinsam auf den nächsten Punkt der Tagesordnung einzustimmen… Es wäre zu kompliziert, zu schwierig, zu unpassend und zu spontan gewesen, in dieser so fragilen Phase der Sitzung die Frage der älteren Dame zu beantworten, zum Thema, das soeben diskutiert wurde.

Zwei Frauen unterhalten sich:
„Warum beschweren Sie sich nicht im Rathaus, wenn Sie sich von der Verkehrskonzentration in ihrer Straße, der schlechten Luft und dem wachsenden Autolärm gestört fühlen und mittlerweile darunter gesundheitlich leiden?“- „Das kann ich nicht. Ich duze mich mit allen wichtigen Leuten dort und bin mit ihnen befreundet.“ – „Ich verstehe, eine echte Freundschaft hat ihren Preis.“ Eine ältere Dame beschwert sich bei einem Verantwortlichen im Rathaus über zu viel Verkehr vor ihrer Haustür. Sie könne kaum eine Nacht durchschlafen, ohne von Rasern immer wieder geweckt oder beim Schlafen gestört zu werden. Der Verantwortliche grübelt eine Weile vielsagend, dann schaut er der Dame tief in die Augen und meint eindrücklich: „Es ist nicht der Verkehrslärm, der Sie nicht schlafen lässt. Es ist Ihre eigene, subjektive Wahrnehmung des Verkehrs. Möglicherweise liegt ein traumatisches Erlebnis noch in Ihrer Kindheit diesem Problem zugrunde, das jetzt verstärkt zutage tritt!“ Was ist es für eine tiefgreifende Erfahrung endlich die tief versteckten, wahren Gründe für alle Probleme des eigenen, menschlichen Daseins zu erfahren. Man sollte eigentlich dankbar sein, dass es den Autolärm gibt.

Eine Stadträtin empört sich,
dass die BürgerInnen plötzlich immer öfter die Entscheidungen des Gemeinderates öffentlich anzweifeln und noch schlimmer, selbst das Wort ergreifen, anstatt ihnen, den demokratisch gewählten Volksvertretern, das Denken und Entscheiden zu überlassen. „Dafür sind wir gewählt worden!“ donnert sie empört in den vertrauten, beinahe privaten Fraktionskreis hinein. Man ist ein wenig überrascht über die Heftigkeit ihrer Worte, weil sie sich doch sonst im Gemeinderat eher in ein vielsagendes Schweigen hüllt oder mal einen Satz hervorbringt, den sie im Verlauf der Jahre je nach Bedarf immer wieder abwandelt: „Die Autofahrer (alternativ: die Fußgänger, Kinder, Familien oder die Fahrradfahrer) dürfen nicht vergessen werden“. In einem entfernten Sinne hat die empörte Stadträtin Recht. Sie und alle anderen Mitglieder des Gemeinderates wurden tatsächlich vom Volk gewählt aber nicht, um sich nach der Wahl sofort vom Volk abzuwenden und vollkommen abgekoppelt vom Willen ihrer WählernInnen, eigene Wege zu gehen.

Erinnerungen an die Tram in Lörrach,
Viele Lörracher haben die Straßenbahn bis heute immer noch nicht vergessen. Zu ihnen gehörte Frau Helene Lutter. Der Tag, an dem sie vor den Gemeinderatswahlen 2009 hörte, dass die FDP (die heutigen Liberalen) die Wiedereinführung der Straßenbahn in Lörrach ins Gespräch brachte, war ein freudiger Tag für sie. Ab diesem Moment wartete sie voller Hoffnung auf ihre Tram. Leider vergeblich. Frau Helene Lutter starb im vergangenen Jahr 2012. Sie besaß nie ein Auto. Nach der Abschaffung der Straßenbahn fuhr sie mit dem Fahrrad, w as mit den Jahren für sie immer beschwerlicher wurde und eines Tages nicht mehr möglich war. Der Bus, den sie nicht mochte und nie akzeptiert hat, war für sie keine Alternative. Sie lief lieber zu Fuß, als mit dem Bus zu fahren. Frau Helene Lutter hinterließ als Zeitzeugin einen Leserbrief, den die Redaktion der Zeitung „Die Oberbadische“ freundlicherweise veröffentlicht hat: (mit freundlicher Genehmigung des Verlagshauses Jaumann)

Leserbrief zur Tram Frau Lutter 2011-05-25 Die Abschaffung der Straßenbahn in Lörrach war politisch gewollt.
Es war eine fatale Entscheidung, die die Lörracher in die Autos zwang. Im Laufe der Jahre entstand daraus eine verhängnisvolle Gewohnheit, die aus Mangel an flexiblen, öffentlichen Verkehrsmittel zur Abhängigkeit wurde. Es entstand ein Kreis ohne Ausweg, der uns heute enorme Probleme bereitet. Am Beispiel der Lörracher Straßenbahn wird deutlich sichtbar, wie falsche, politisch motivierte Entscheidungen noch Jahrzehnte später für Streit sorgen und die Gesellschaft nachhaltig spalten. Der Leserbrief von Frau Helene Lutter beantwortet im Nachhinein viele Fragen, die sich heute rückwirkend im Bezug auf die Abschaffung der Straßenbahn stellen. Die Abschaffung der Straßenbahn wurde von der Politik initiiert und durchgesetzt, deshalb wäre es auch die Aufgabe der Politik, den Fehler heute zu korrigieren und die Straßenbahn wieder einzuführen.

Drämmligeschichten (Zeitzeugenerinnerungen):
Wer möchte uns seine/ihre Drämmligeschichte erzählen?
Wer hat Fotos von der Lörracher Straßenbahn und wäre bereit , sie uns zu zeigen?
Wer kann sich noch erinnern, was mit den historischen Waggons passiert ist?
Was hat die Straßenbahn, was andere Verkehrsmittel nicht haben? Womit fasziniert sie, dass die meisten Menschen mit ihr gerne fahren und sie bis heute nicht vergessen haben, nicht vergessen konnten?

Mit der Straßenbahn ist es anscheinend so, wie mit der echten, tiefen Liebe, die man verloren hat. Sie brennt sich unauslöschlich ins Herz und ins Gehirn ein und ab diesem Moment begleitet sie einen in der Erinnerung das ganze Leben lang.

Ein fünfjähriger Junge aus Degerfelden wurde vom Großvater nach Lörrach gebracht. Es war für den kleinen Jungen keine große Freude. Er sollte zum Kinderarzt gebracht werden, was einem Kind damals wie heute keine Freude bereitet. Der Großvater wusste dem Enkel und sich selbst zu helfen. Er kaufte für 60 Pfennige zwei Fahrkarten für die Straßenbahn und sie fuhren bis zum Aichele-Knoten. Dort stiegen sie aus und setzten sich gleich in die nächste Straßenbahn und fuhren zurück. Was für eine Freude für Enkel und Großvater! Jahre vergingen und Vieles aus der Kindheit verblasste oder ist gänzlich in Vergessenheit geraten. Die Erinnerung an die gemeinsame Fahrt mit der Straßenbahn ist voller Emotionen lebendig geblieben.

Die Straßenbahn in den Nachkriegsjahren war anders als heute. Sie sah nicht nur anders aus, man hörte und fühlte es, wie sie arbeitet. Das Bedienen der Straßenbahn war mit körperlicher Arbeit verbunden, mit mühsamem Drehen einer Kurbel und anderer geheimnisvollen Hebel und Knöpfe. Damals befand sich unter den harten Holzbänken eine elektrische Heizung, die manchmal für einen heißen Sitz gesorgt hat… Die Straßenbahn dröhnte, schepperte und zitterte auf ihrem Weg und sie hatte ihre Launen, wie ein lebendiges Wesen.

Für Kinder war sie voller neuer, erstaunlicher Erfahrungen, Rätsel und Fragen: „Mama, brummt es bei dir auch so in der Hose?“ Eine ältere Dame lächelt. Es waren damals ganz, ganz andere und züchtigere Zeiten. Es war nicht schicklich, das andere Geschlecht direkt anzusprechen. Manchmal sah man sich monatelang jeden Tag, ohne miteinander ein Wörtchen zu wechseln. Man schaute sich nur vorsichtig an und war stets auf der Hut, damit die anderen es nicht mitkriegen. Die Straßenbahn war sehr hilfreich… Man konnte den anderen, wie zufällig, leicht berühren und ins Gespräch kommen, ohne dass gleich ein Verdacht geschöpft werden konnte…
Auf diese Weise hat sie ihren Mann kennen gelernt… .

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